Das Wichtigste in Kürze
- ETF kosten meist 0,1 bis 0,5 % pro Jahr, aktiv gemanagte Fonds häufig 1,2 bis 2,0 % – plus möglichem Ausgabeaufschlag von bis zu 5 %.
- Der entscheidende Hebel sind die laufenden Kosten (TER), nicht die einmalige Gebühr beim Kauf.
- Über den Zinseszinseffekt summieren sich kleine Kostenunterschiede über die Jahre zu fünf- bis sechsstelligen Beträgen.
- In den Kosten vieler aktiver Fonds stecken Bestandsprovisionen an den Vermittler – ein Interessenkonflikt, den die Honorarberatung gezielt vermeidet.
Worum es bei der Frage wirklich geht
Die Debatte „ETF oder aktiv gemanagte Fonds" wird oft über die Rendite geführt. Tatsächlich entscheidet aber ein Faktor, den Anleger sicher beeinflussen können: die Kosten. Die künftige Wertentwicklung ist ungewiss, die Gebühren stehen dagegen von Anfang an fest – und sie werden Jahr für Jahr abgezogen, unabhängig davon, ob der Fonds gut oder schlecht läuft.
Die Kostenarten im Überblick
Fondskosten sind mehr als die eine Prozentzahl im Werbeprospekt. Diese Posten sollten Sie kennen:
| Kostenart | ETF (passiv) | Aktiv gemanagter Fonds |
|---|---|---|
| Ausgabeaufschlag | meist 0 % (Kauf über die Börse) | bis zu 5 % |
| Laufende Kosten (TER) | ca. 0,1–0,5 % p. a. | ca. 1,2–2,0 % p. a. |
| Performancegebühr | in der Regel nein | teilweise ja |
| Bestandsprovision an Vermittler | üblicherweise keine | häufig enthalten |
Laufende Kosten (TER)
Die Total Expense Ratio ist die wichtigste Kennzahl. Sie gibt an, wie viel Prozent des angelegten Vermögens der Fonds pro Jahr für Verwaltung und Betrieb einbehält. Wichtig: Die TER bildet nicht alle Kosten ab – Transaktionskosten innerhalb des Fonds und Performancegebühren kommen unter Umständen noch hinzu.
Ausgabeaufschlag
Bei aktiv gemanagten Fonds wird beim Kauf oft ein Ausgabeaufschlag von bis zu 5 % fällig. Von 10.000 Euro fließen dann nur 9.500 Euro tatsächlich in die Anlage. ETF werden in der Regel über die Börse gekauft und kennen diesen Aufschlag nicht.
Bestandsprovisionen
Ein Teil der laufenden Kosten vieler aktiver Fonds wird als Bestandsprovision an denjenigen weitergereicht, der den Fonds vermittelt hat. Das erklärt, warum in der Provisionsberatung selten der günstigste Fonds empfohlen wird. Genau hier setzt die Honorarberatung an – mehr dazu im Beitrag zu den Kosten eines Honorarberaters.
Was die Kosten über die Jahre wirklich ausmachen
Ein Rechenbeispiel macht den Effekt greifbar. Angenommen, Sie legen 100.000 Euro für 25 Jahre an und erzielen eine Bruttorendite von 6 % pro Jahr – einmal mit einem günstigen ETF (0,2 % Kosten), einmal mit einem aktiven Fonds (1,8 % Kosten):
| ETF (0,2 %) | Aktiver Fonds (1,8 %) | |
|---|---|---|
| Nettorendite p. a. | 5,8 % | 4,2 % |
| Endvermögen nach 25 Jahren | ca. 409.000 € | ca. 280.000 € |
Das Ergebnis: Allein durch die höheren Kosten bleiben rund 125.000 Euro weniger übrig – obwohl in diesem Beispiel beide Fonds dieselbe Bruttorendite erwirtschaften. Kosten wirken über den Zinseszinseffekt, weil jeder Euro Gebühr auch alle künftigen Erträge auf diesen Euro mitkostet.
Faustregel: Jeder zusätzliche Prozentpunkt laufender Kosten kostet über eine lange Anlagedauer einen erheblichen Teil des Endvermögens – unabhängig davon, wie gut der Fonds gemanagt wird.
Rechtfertigt die Leistung die höheren Kosten?
Aktives Management verspricht, den Markt zu schlagen und so die Mehrkosten zu verdienen. Die Datenlage ist allerdings ernüchternd: Untersuchungen wie der SPIVA-Report zeigen seit Jahren, dass die Mehrheit der aktiv gemanagten Fonds ihren Vergleichsindex über längere Zeiträume nach Kosten nicht schlägt. Wer dauerhaft zu den wenigen Gewinnern gehört, lässt sich zudem im Voraus kaum verlässlich erkennen.
Das heißt nicht, dass aktive Fonds nie sinnvoll sind – etwa in wenig effizienten Nischenmärkten. Aber die höhere Gebühr sollte durch einen nachvollziehbaren Mehrwert gerechtfertigt sein, nicht durch das bloße Versprechen einer Outperformance.
Worauf Sie bei der Auswahl achten sollten
- TER vergleichen: Bei breiten, gängigen Indizes ist ein sehr günstiger ETF fast immer die kosteneffizienteste Lösung.
- Gesamtkosten statt Einzelposten: Ausgabeaufschlag, laufende Kosten und etwaige Performancegebühren zusammen betrachten.
- Provisionen hinterfragen: Fragen Sie, ob und welche Bestandsprovisionen der Empfehlung zugrunde liegen.
- Zur Strategie passen: Die Kostenfrage ist wichtig, ersetzt aber keine zur persönlichen Situation passende Anlagestrategie.
Fazit
Bei der Wahl zwischen ETF und aktiv gemanagten Fonds sind die Kosten der verlässlichste Hebel für die langfristige Rendite. ETF sind in den meisten Fällen deutlich günstiger, und der Kostenvorteil summiert sich über die Jahre zu beträchtlichen Beträgen. Wer eine unabhängige, von Provisionen freie Einschätzung der eigenen Fonds und ETF wünscht, ist mit einer Honorarberatung gut beraten – hier können Sie eine Honorarberatung anfragen.

